Editorial

Wo? Unten. Dort, wo das Ungeziefer ungestört seinem Leben im Dunkel frönen kann, wo mystische Geheimnisse gehütet werden, wo sich der Ursprung, die Basis befindet, wo uns die Gefühle des Unterbewusstseins übermannen, von wo aus sich Widerstand gegen das Reich der Unterdrücker erhebt. Die neunte Ausgabe von Bozzetto begibt sich in sachlicher, poetischer und visueller Manier an diesen polysemantischen (Un-) Ort. Der Beitrag von Roman Willi geht mit den uns so fremden Lebewesen, die den Boden bevölkern, auf fotografische Tuchfühlung (S. 26). Martin Schusters Gemälde geleitet uns in die bedrohliche Dunkelheit der Tiefsee (Beilage), Brigitte Boothes Artikel in die Welt der Träume (S. 41). Einen kunsthistorischen Blick nach unten wagt Romina Dümler in ihrem wissenschaftlichen Essay (S. 43). Anhand von Wandzeitungen, die 1968 in Zürich entstanden, zeigt Katja Willi auf Seite 29 exemplarisch die kreativschöpferische Seite der revolutionären Bewegung. Dass Höhen- und Ebenenunterschiede unbeständige mentale Konstrukte sein können, führt Paula Watzls Sprachakrobatik den LeserInnen intensiv vor Augen (S. 25), deren manipulative Verwendung erläutert Ursula Stohler in einer literarischen Auseinandersetzung mit den Propagandastrategien der sozialistischen Tschechoslowakei (S. 51). An der Schnittstelle zwischen figürlicher Darstellung und Abstraktion heben die Zeichnungen von René Moser den Untergrund aus (S. 18).

Isabelle Brown/Katja Willi


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