Editorial

Ausgezeichnet gilt in unserer Gesellschaft als ein erstrebenswertes Qualitätsmerkmal sowohl für Personen als auch für Objekte. Im Kunstmarkt zeichnen Originalität, der Stellenwert im kunsthistorischen Kanon und zeitgenössische Wertvorstellungen ein Kunstwerk oder seine/n HerstellerIn aus. Ready-Mades, Assemblagen oder Environments heben den Akt der Auszeichnung als zentrale künstlerische Tätigkeit hervor und verschmelzen auf diese Weise die Funktion von KünstlerIn und KuratorIn. Der Gesellschaftsdruck, der einem Individuum vorschreibt, möglichst viele Auszeichnungen in dessen Lebenslauf aufzuweisen, führt zu inflationären Diplomierungen, welche die Qualität und Glaubwürdigkeit des Diploms, der Institution ebenso wie des/r Ausgezeichneten in Frage stellen. Für die aktuelle Ausgabe haben wir durch unsere Auswahl mehrfach gleichsam das titelgebende Prädikat verliehen. Victoria Fleury (S. 21) führt uns an die Arbeitsweise von Paul Klee heran, der Fotografien als Vorlage für seine danach ausgezeichneten Bilderverwendete. Arkadiusz Luba (S.33) widmet sich in seiner Reportage der Architektur in den Südtiroler Bergen, die, um ausgezeichnet zu sein, sich nicht zu sehr von ihrer Umgebung abheben darf. Sebastian Eitle nähert sich konzeptkünstlerisch dem ikonenhaften Spruch «Je suis Charlie», indem er Textmaterial, welches unser kollektives Gedächtnis in Bezug auf die Terroranschläge von 2001 in den USA und vom Januar 2015 in Paris geprägt hat, collagenhaft zusammenführt. Währenddessen nimmt Elisabeth Eberle (S. 8) das Adjektiv ganz wörtlich in ihren als Reliefs ausgezeichneten Isolinien. Nicht zuletzt zeigt der simple und expressive Stil Dan Perjovschi’s, den Katja Willi essayhaft beschreibt (S. 11), dass Kritzeleien ein geeignetes Medium für politisch provokative Aussagen darstellen.
Wir hoffen, dass es Ihnen bei der Lektüre genauso ausgezeichnet geht wie Sarawut Chutiwongpetis Skulptur auf Seite 18.

Isabel Krek/Katja Willi


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