Editorial

Ob beim Giftmord, dem Thema Umweltverschmutzung oder der sprichwörtlich vergifteten Atmosphäre – immer schwingt dem Begriff eine negative Konnotation mit, auch wenn manchmal nicht die Substanz selbst, sondern erst ihre Konzentration die Schädlichkeit mit sich bringt, und bewusstseinserweiternde Substanzen z.B. in Ritualen, der Kunst oder zu Heilungszwecken eingesetzt werden. Auch in dieser Ausgabe widmen sich die Beiträge mehrheitlich der gefährlichen Wirkung, die Gift in lebensweltlichen Strukturen entfaltet. Paul de Brancion nimmt uns in seinem Gedicht 3 ON THE BUND mit nach Shanghai, wo die Türme der Hochhäuser vom Smog verschlungen zu einer lebensfeindlichen Umwelt werden. Gleichzeitig beleuchtet der Leitartikel von Bénédicte Gross, Johanna Stephan und Katja Willi, wie Müll, der zur globalen Umweltverschmutzung beiträgt, produktiv genutzt werden kann. Porträtiert werden unter anderen die Arbeiten IL PESCATORE von Aline Zeltner und FREMDTEILCHEN von Martin Schuster als Beispiele dafür, wie Abfall, zu Kunst umgewandelt, auf unser Konsumverhalten hinweisen kann. Eine Gegenreaktion auf Gift beleuchtet Dr. Joachim Landkammer in seinem Essay ENTGIFTUNGEN: MIT-GIFT LEBEN. Er stellt die These auf, dass es aufgrund der Tarnung des Gifts oftmals erst die Entgiftungsmechanismen sind, die den Schaden verursachen, den sie verhindern sollten. Wanda Schmid hingegen rückt in einem literarischen Schmankerl geltende Schönheitsmassstäbe in ein neues Licht, die durch die vehemente Bekämpfung menschlicher Alterungsprozesse in unserer Gesellschaft ins Absurde rutschten. Gregor Schenker nähert sich der Thematik ebenfalls mit Humor und bereichert die Ausgabe mit dem unterschätzten Genre des Comics.

Isabel Krek/Johanna Stephan


Bozzetto 07 bestellen/abonnieren

Call for Papers Gift